Rückblick auf das Bergfilmfestival 2019

Foto: Simone Zimmermann

Nachdem in den letzten Jahren das Wetter einige kleine Kapriolen bereitgehalten hatte, versprach die Wetterprognose für Ende August viel und noch mehr Sonne. Und die ließ sich wirklich nicht lumpen: Sonne satt (fast zuviel) und ein strahlend blauer Himmel tagsüber, gefolgt von sternenklaren Nächten.

Der perfekte Rahmen für das älteste Bergfilmfest in Deutschland. Das schöne Wetter lockte viele Besucher an den Gaudlitzberg. Am Ende stand ein neuer Besucherrekord. Und die Gäste bekamen wieder viel geboten, dem Team um Peter-Hugo Scholz ist wieder gemeinsam mit dem DAV Leipzig gelungen, drei tolle Tage auf die Beine zu stellen. Freies Campen, Film-Programm, Sportwettkämpfe und Kinderprogramm luden dazu ein, das komplette Wochenende draußen zu verbringen. Zu essen gab es wieder Leckereien aus der regionalen Küche, wobei der Länderschwerpunkt in diesem Jahr Georgien war. Dazu noch in den Abendstunden viele große und kleinen Film-Highlights inklusive eines abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Doch der Reihe nach:

Der Freitagabend stand ganz im Zeichen des Kletterns im Sächsischen Fels. Unterstützt von den tapiren aus Leipzig gab es neben der Lesung mit Peter Brunnert aus seinem Buch über Bernd Arnold – wir lieben ihn für seine Geschichten – auch den Film Sächsische Delikatessen von Felix Bähr und Alex Hanicke zu sehen. Im Fokus: Zwei grandiose Protagonisten. Peter Brunnert hatte sich auf das Abenteuer eingelassen mit Jörg Brutscher gemeinsam ein paar Kotzbrocken-Klassiker in der Sächsischen Schweiz zu klettern. Köstlich! Als Ehrengast des Festivals war nach überstandener Operation auch Bernd Arnold an den Gautlitzberg gekommen, um sich den Fragen gemeinsam mit seinem Freund Peter Brunnert zu stellen. Der Abend klang, leider ohne ein echtes großes Lagerfeuer (Waldbrandstufe) in Gesprächen ruhig aus. 

Foto: Barbara Weiner

Samstagmittag begann dann das Gewusel auf dem Gelände – die Einschreibungen zum Bouldercup am Gaudlitzberg, betreut durch die Boulderhallen BlocSchmiede Magdeburg und Kosmos Leipzig mit Wänden der Kletterschule Felsenfest, bildeten den Auftakt für einen langen Tag. Die Sonne brasselte gnadenlos, die Temperaturen jenseits der 30°C und wenig Schatten am Block forderten so ziemlich alles von den Boulderern. Trotz aufgespannten Schirmtüchern blieb es heiß an den Griffen. Am Ende gab es ein packendes Speed-Finale. 

Zum Rahmenprogramm gehörten neben der Kletterbetreuung durch die Sherpas aus Leipzig, die geliebte und hoch frequentierte XXL-Seilbahn über den Steinbruch, eine Slackline zum Ausprobieren und auch die Freiwillige Feuerwehr von Böhlitz. Ihre Wasserduschen vom Turm waren heiß begehrt als Abkühlung in der Hitze des Nachmittages. Zum ersten Mal gab es ein Kletter-Yoga-Angebot, sie verzogen sich in den Schatten des großen Zeltes. Andere Gäste hatten sich in die umliegenden Steinbrüche verzogen, um aus der Sonne zu kommen. 

Im Vorfeld umstritten nutzen die Holzbergfreunde das Bergfilmfestival, um mit einer Aktion und gemeinsamen farblich auffälligen T-Shirts auf das Problem der Verfüllung des Kletter-Hotspots in den Hohburger Bergen aufmerksam zu machen. In ihren Reihen findet sich so ziemlich alles, was im Kletter- und Bergsport in Leipzig einen Namen hat. Neben einem Banner an der Wand kamen sie mit dem Landrat Henry Graichen ins Gespräch, weitere Gesprächsrunden im Nachgang folgten.

Nach der Siegerehrung und einer Musikeinlage mit dem Leipziger Duo Zwoagsang Nord begann dann mit Beginn der Nacht der Filmwettbewerb. Wie jedes Jahr war es dem Team um Peter Hugo Scholz gelungen, eine interessante Auswahl an Wettbewerbsbeiträgen zu treffen – mit einem eindeutigen Siegerfilm, der aus der näheren tschechischen Umgebung kam. Ein Künstlerinnen-Trio der Dresdner Kunsthochschule kreierte in diesem Jahr den Publikumspreis, denn wie immer war das geneigte Publikum der Juror für das Wettbewerbsprogramm. Und das hatte es wieder in sich: 

Foto: Dennis Thomas

Neben klassischen Kletter- und Bergfilmen waren mit dem Makrofilm „Wohin gehen die Ameisen“ von Nistet Hrustic (Aufnahmen aus dem Innenleben eines Ameisenhaufens) und dem Animationsfilm von Ignasi López Fàbregas zwei eher etwas außergewöhnliche Filmbeiträge auf dem Programm. „Viacruxis“ zeigt die allen Alpin-Kletterern wohlbekannte Momente einer Helden-Seilschaft, man konnte sich gut in den Comic-Helden wiederfinden. Einfach nur tragisch-komisch, am Ende reichte es für einen hervorragenden 2. Platz. Die weiteren Filme führten nach Süd-Ossetien in das unberührte Land (Winterabenteuer im Kaukasus), führten in die Dolomiten (One-Arm Bandit) und begleiteten Fabian Buhl auf seinen Touren. Nach dem Auszählen kurz vor Mitternacht stand der Sieger fest. Der Preis geht ins Nachbarland für den Film „From a Hammer to a Drill“.  Jan Šimánek, der Filmemacher war nicht vor Ort, doch Hugo hatte die geniale Idee, Barbara und Micha nach Tschechien zu schicken, um den Pokal persönlich zu übergeben und vielleicht dabei auch den Protagonisten des Porträts, die tschechische Kletterlegende Petr „Spek“ Slanina zu treffen.

Auch der zweite Abend klang in gemütlicher Runde aus, am Sonntag standen dann noch Kletter-Yoga für Frühaufsteher und die geführte Wanderung durch den Geopark Porphyrland auf dem Programm. 

Persönlicher Nachtrag: Eigentlich sollte das Resume unmittelbar nach dem Bergfilm-Festival erscheinen. Wie immer war ich Anfang September im Urlaub, hatte mich mit Hugo für nach meinem Urlaub zu einem Austausch zu den Geschehnissen rings ums Festival verabredet. Dann kam alles anders. Es dauert seine Zeit, den Tod und die Lücke, die er hinterlassen hat, zu begreifen. Umso mehr freut es mich, dass es weitergeht: Die Vorbereitungen für die 22. Auflage laufen bereits. Hugo – wir werden Dich immer in unseren Herzen behalten!

Simone Zimmermann

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