Artikel & eigene Beiträge 2022
So wurde über das 22. Bergfilm-Festival berichtet
- 4. September 2022
Großer Dank an alle Helfer und Unterstützer des 22. Bergfilm-Festivals 2022
Wir danken allen engagierten Helferinnen und Helfern sowie Unterstützern, die das Bergfilm-Festival 2022 möglich gemacht haben.
Unser Dank geht an: die Gemeinde Thallwitz, die Gemeinde Lossatal, den Landkreis Leipzig und Nepalmed e.V. Außerdem danken wir dem DAV Sektion Leipzig, dem Geopark Porphyrland, der Feuerwehr Röcknitz, den vielen Helferinnen und Helfern im Hintergrund, dem Moderator Ben Gerit Hernandez und allen Unterstützern, die zum Sport- und Kulturprogramm beigetragen haben.
Das Wetter war das beherrschende Thema der 22. Ausgabe des ältesten Open-Air-Bergfilmfestivals Deutschlands. Schon früh im Sommer war klar, dass es bei der Rückkehr in den angestammten Steinbruch Gaudlitzberg nach Corona-bedingter Unterbrechung kein Lagerfeuer geben würde – viel zu trocken war der Wald rundherum ums Festivalgelände. Dass es dann aber ausgerechnet der Dauerregen war, der die Stimmung am Festivalwochenende trüben würde, das konnte da noch niemand ahnen.Am Freitag-Abend hörte der Regen noch pünktlich zum Beginn des Vortrags von Martin Richter auf. Untermalt von einer Auswahl der schönsten Fotos aus dem Buch stellte der Dresdner Kletterer und Fotograf seinen neuen Bildband „Das Buch der Gipfel. Klettern in der Sächsischen Schweiz“, den er gemeinsam mit seinem Vater Frank Richter herausgebracht hat, vor. Im Anschluss an seinen Vortrag tauschte sich der Autor in einem Podiumsgespräch mit der Dresdner Filmemacherin Bettina Wobst über die Veränderungen und Zukunftsperspektiven des Kletterns in der Sächsischen Schweiz aus. Dabei ging es um die ganz persönlichen Beziehungen der beiden zum Sandstein an der Elbe genauso wie um den Massentourismus oder Geschlechterrollen im Bergsport.
Zur Einstimmung auf das Wettbewerbs-Filmprogramm am Samstag-Abend schloss der Film „Frauen am Berg“ von Caroline Fink den ersten – noch trockenen! – Festivalabend ab. Darin begleitete die schweizerische Filmemacherin drei Frauen auf ihrem Weg durch bzw. in die absolute Männerdomäne der schweizerischen Bergführerschaft.
Am Samstag dann trotzten die Bergfreundinnen und Bergfreunde dem Dauerregen beim Bouldern, dem Erkunden der Infostände von DAV und Geopark Porphyrland, den Kletter- und Slackline-Spielen und der schon traditionellen alpinen Seilbahn, die sich (vielleicht wegen der Nässe) dieses Jahr besonders rasant anfühlte. Abends, als der Filmwettbewerb startete, wurde der Regen etwas schwächer. Unter Regenjacken, Schirmen und dem Zeltdach bekamen die Gäste ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Filmprogramm geboten.
Thomas Senf porträtierte in „Schwere-Los“ den Alpinisten Daniel Anker beim Versuch, sich in der Eiger-Nordwand aus seiner Lebenskrise herauszuklettern. Tom Dauer zeichnete das literarische und fotografische Erbe Reinhard Karls nach („Reinhard Karl: Die Kunst, einen Berg zu besteigen). Die im Film auftretende Künstlerin Clara Happ war selbst anwesend im Gaudlitzberg und hatte ihre Radierungen, die sich mit Karls Fotografien auseinandersetzen, im Gepäck dabei. Bettina Wobst, die am Freitag noch am Podiumsgespräch teilgenommen hatte, zeigte ihren Film „Wilde Gesellinnen“, indem es um weibliche Kletterpionierinnen in der Sächsischen Schweiz geht. Franciszek Beberkas Film „The Disapperance of Janusz Klarner“ ergründete auf künstlerisch-rätselhafte Weise das Schicksal einer polnischen Himalaya-Expedition, die in die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und des Stalinismus geriet. Im völligen Kontrast dazu nahmen zum Abschluss des Kinoabends Johannes Kürschner und Franz Müller aka. Günther und Hindrich die wetterfesten Kinoeulen im Gaudlitzberg mit auf einen abenteuerlichen Roadtrip von Dresden bis nach Sardinien, um dort die legendäre Aguglia di Goloritzé zu erklettern. Standesgemäß machten sich die beiden dabei mit ihren Simson-Mopeds auf den Weg, was die Zündkerzen der Mopeds jedoch vor einige Probleme stellte.Es war also keine leichte Wahl für das Publikum, sich auf einen Favoritenfilm festzulegen, der mit der von der Dresdner Künstlerin Imke Oltmanns entworfenen Filmtrophäe ausgezeichnet werden sollte. Knapp machten Günther und Hindrich das Rennen vor Tom Dauers Reinhard-Karl-Portrait und den „Wilden Gesellinen“ von Bettina Wobst. Pünktlich zum Ende des Filmprogramms hörte auch der Regen auf, sodass sich einige Hartgesottene noch bis tief in die Nacht beim Bierstand über die Filme austauschten und dabei bedauerten, dass der Regen dafür gesorgt hat, dass nicht noch mehr Besucherinnen und Besucher die Filme sehen konnten. Für die geführte Wanderung durch den Geopark am Sonntag-Vormittag ließen sich die Interessierten dann wahlweise vom Kaffeespezialitäten-Stand oder vom Morgen-Yoga fitmachen.
- 1. September 2022
Bergsportler feiern Filmnacht im Steinbruch bei Wurzen
Die 22. Auflage des Bergfilmfestivals im schönsten Kintopp der Welt stellt die Organisatoren vor besondere Herausforderungen.
Ein Rückblick auf das Festival von Haig Latchinian
Organisatoren des BFF 2022. © Quelle: Haig Latchinian Organisatoren des Bergfilmfestivals 2022
© Quelle: Haig LatchinianWurzener Land/Röcknitz. „Ich bin tot“ – mit einer ungewöhnlichen Anzeige gibt der einstige Sportjournalist Horst Mempel jetzt das eigene Ableben bekannt. Er lädt Hinterbliebene zu seinem Lieblingsplatz in der Sächsischen Schweiz ein, auf dass sie einen tollen Blick genießen und „mir eine gute Reise in die Ewigkeit“ wünschen.
Es ist der Leipziger Kletterer Erhard Klingner, der die Todesnachricht am Gaudlitzberg verbreitet. Er kannte Mempel, der bis zu dessen Enttarnung als Stasispitzel, 2001, die MDR-Sendung „Biwak“ moderierte: „Mempel hatte mal einen Film gemacht, in dem ich mitwirkte und der damals auch auf dem Bergfilmfest lief.“
BFF Stammgast Erhard Klingner
© Quelle: Haig LatchinianErhard Klingner (79) ist Stammgast beim Bergfilmfestival in der Hohburger Schweiz.
© Quelle: Haig LatchinianDer 79-jährige Erhard Klingner ist Kult in der Kletterszene. Er war im August 1989 Teil einer vierköpfigen DDR-Bergsteigergruppe, die im Pamir den Pik Leipzig zum ersten Mal bestiegen hatte. Damit nicht genug: Klingner wirkte auch bei der Verhüllung des Reichstages mit.
XXL-Alpin-Seilbahn
Der Kletterer ist Stammgast des Bergfilmfestivals. Auf ihn geht auch die XXL-Alpin-Seilbahn zurück, die von der 30 Meter hohen Felswand bis hinunter in den Gaudlitzgrund rast. Industriekletterer Wolfgang Schmid führt die luftige Nummer fort, nimmt sich immer extra Urlaub, um die Top-Attraktion aufzubauen.
Auch beim diesjährigen dreitägigen Festival macht er die kleinen und großen Wagemutigen reihenweise glücklich. Uwe Duchow gibt Anleitungen im Yoga. Thilo Blamberg lässt Steine aus der Badewanne fischen. Moderator Ben Gerit Hernandez animiert zum Kraxeln an der Boulderwand.
Die 22. Auflage des ältesten deutschen Bergfilmfestivals gilt als besondere Herausforderung: Zum einen regnet es beinahe unaufhörlich, zum anderen ist es das erste Spektakel ohne Peter-Hugo Scholz. Der einstige Spiritus Rector und Erfinder des Festivals starb 2019 unerwartet.
Filme aus dem In- und Ausland
Es ist seine Tochter, Marlene Schneider-Schikowski, die die Tradition im schönsten Kintopp der Welt fortsetzt. Die 33-Jährige, die in den Filmstudios Babelsberg arbeitet, kümmert sich um die Wettbewerbsbeiträge. Die in- und ausländischen Bergfilme können sich allesamt sehen lassen.
Am Ende macht „2Stoned – A trip to the sky“ das Rennen. Die Kletterer Johannes Kürschner und Franz Müller alias Günther und Hindrich rattern mit ihren Simsons nach Sardinien. Dort wollen die beiden Sachsen den schwierigsten Gipfel Italiens wuppen. Ihre „Reise zum Himmel“ – ein auch komödiantischer Erfolg!
Zuschauer im Zelt beim BFF 2022
© Quelle: Haig LatchinianDie Plätze sind eingenommen – die Filme können starten. Weil es stark regnet, weichen die Zuschauer ins Zelt aus.
© Quelle: Haig LatchinianDie beiden Jungs schrauben selber an ihren Maschinchen, mischen den Sprit eigenhändig und lieben das Bier. Weil ihr breites Sächsisch nur Insider verstehen, ist das Road Movie gleich doppelt untertitelt: in Hochdeutsch und Englisch. Die Filmemacher dürfen sich über die von Imke Oltmann kreierte Gaudlitzer Trophäe freuen.
Mit Stummfilmen ging es los
Programmdirektorin Marlene erinnert an die Anfänge des Festivals, damals noch im Spielberg: „Mein Vater, er selbst war Filmemacher, kletterte mit Freunden im Steinbruch. In den Fels hing man ein Bettlaken, das zur Leinwand wurde.“ Mit Stummfilmen hatte alles begonnen.
Inzwischen hat das Festival viele Väter: die Gemeinden Thallwitz und Lossatal, den Landkreis Leipzig, den Geopark Porphyrland, Nepalmed und vor allem den Deutschen Alpenverein (Sektion Leipzig). Das Festival ist seit dem Neustart aber auch weiblicher geworden.
Neben Marlene Schneider-Schikowski gehören Gundula Claus, Simone Zimmermann, Barbara Weiner und Regine Schneider, die Frau des verstorbenen Peter-Hugo Scholz, zum Organisationsteam. Kein Wunder, dass das Festival mit dem Schweizer Film „Frauen am Berg“ von Caroline Fink eröffnet wird.
Frauen erobern sich den Fels
Im Wettbewerb läuft der Streifen „Wilde Gesellinnen – Frauen am Sächsischen Fels“. Der Film von Bettina Wobst zeigt in einer Zeitreise, dass sich die einst in Reifröcken gestarteten Damen ihre Bergträume inzwischen immer professioneller erklettern. Der Beitrag wird vom Publikum auf Platz drei gevotet.
Mit diesem Holzschnitt setzt Künstlerin Clara Happ dem bekannten Bergsteiger, Schriftsteller und Fotografen, Reinhard Karl, ein Denkmal.
© Quelle: Haig LatchinianAuf Platz zwei kommt „Reinhard Karl: Die Kunst, einen Berg zu besteigen“ von Tom Dauer ein. Das Witzige: Clara Happ, die im Film selbst vorkommt, widmet dem einst legendären Kletterer einen ihrer Holzschnitte. Kunst trifft Berg: Die Künstlerin ist persönlich anwesend und bietet ihre Arbeiten zum Kauf an.
Marlene Schneider-Schikowski und Steve Naumann
© Quelle: Haig LatchinianMarlene Schneider-Schikowski und Steve Naumann unterstützen das Festival nach Kräften.
© Quelle: Haig LatchinianDer Röcknitzer Wehrleiter Heiko Richter sichert das Event ab. Auch die Malteser sind da. Benjamin Prochnow, einer der größten Fans des Festivals, ist mit der Freundin gekommen. Er mag den familiären Charakter am Gaudlitzberg. Ob sein Vater zufällig Jürgen heißt? „Ja“, aber das ist trotzdem nicht der Schauspieler.“
Filme sehen in Familie
Bergfilmfreunde sind eine große Familie. Steve Naumann reist extra aus der Ukraine an. Sonst wandert der 33-jährige Großzschepaer gern in den Karpaten. Derzeit hilft er als Freiwilliger beim Aufbau des kriegszerstörten Landes. Programmchefin Marlene: „Steve ging früher zusammen mit mir aufs Wurzener Gymnasium.“
Autor: Haig Latchinian
- 21. Juni 2022 – save the date: 22. Bergfilmfestival Ende August!
Das Bergfilm-Festival kehrt in den Gaudlitzberg zurück!
Vom 26. bis zum 28. August 2022 wird der Steinbruch Gaudlitzberg bei Wurzen wieder zum Open-Air-Bergkino!
Die 22. Ausgabe des Bergfilmfestivals findet nach der pandemiebedingten Unterbrechung wieder an seinem angestammten Ort und in traditioneller Form statt. Die Besucherinnen und Besucher werden wie immer unter dem Sternenhimmel über den Gewinner-Film im Filmwettbewerb abstimmen dürfen. Und alle Sportsfreundinnen und -Freunde können sich tagsüber im Boulder-Cup messen. Natürlich ist auch an sächsischen Speis und Trank gedacht. Außerdem: Kletterausrüstung, Bergschuhe und Zelt nicht vergessen!
Wir freuen uns auf euch.Hier geht’s zum Sport- und Filmprogramm!
Hier gibt es Tickets zum Vorverkaufspreis!
- 17. Februar 2022
Vorausgeschaut aufs 22. Bergfilmfestival
Das nächste Bergfilmfestival wird für uns alle eine besondere Herausforderung, denn Peter-Hugo Scholz, maßgeblicher Initiator und wichtiger Geist des Festivals, wird fehlen. Nun werden wir als Orga-Team (und der DAV Leipzig e.V.) unser geliebtes und beliebtes Film-Festival weiterführen, in seinem Sinne.
Die Vorbereitungen für das 22. Bergfilmfestival vom 21. bis 23. August 2020 am Steinbruch Gaudlitzberg laufen schon auf vollen Touren. Michael (Micki) Pause, bis 2018 Moderator des Magazins “Bergauf-Bergab” im Bayrischen Rundfunk, übernimmt die Moderation für dieses Jahr. Das Freitagsabend-Programm steht ganz im Gedenken an Hugo. Wir werden Ausschnitte seiner Filme zeigen und Geschichten erzählen.
Am Sonnabend startet mittags wieder der Gaudlitzberg-Bouldercup an der großen Wand und dem Kletterwürfel. Auch jedermensch kann tagsüber vielerlei Sport treiben und Spaß haben: Schnupperklettern, auf der Slackline balancieren, Feuerwehr spielen und sich dehnen und entspannen beim Yoga. Die Mutigen fahren mit der längsten, alpinen Seilbahn in Sachsen rasant vom Gaudlitz”gipfel” ab. Mit der Dämmerung startet schließlich der Wettbewerb der eingereichten Filme. Wir werden wieder kurzweilige, interessante und spannende Filme über die Berge, das Klettern und die Kunst darin zusammentragen und freuen uns über Einreichungen aus nah und fern.
Für euer leibliches Wohl ist gesorgt. Die lokale Gastronomie ist wieder mit am Start, Ur-Krostitzer liefert genügend Flüssiges und internationale Überraschungen haben wir auch noch parat.
Am Sonntag könnt ihr dann entspannt in den Tag starten: mit einem Frühshoppen oder wandernd im Geopark Porphyrland.
Euer Festival-Team












Herzlichen Dank für die Unterstützung an alle Sponsoren, Spender, Förderer und Helfer der diesjährigen Jubiläumsausgabe des Bergfilmfestes im Steinbruch Gaudlitzberg bei Wurzen!